Artikel des Monats Februar 2013

Übertragung von Spender Stuhl gesunder Probanden auf Patienten mit rezidivierenden Clostridium difficile Diarrhoen (1)

 

Hintergrund :

 Nosokomiale Infektionen durch den Erreger Clostridium difficile ist eine ernste Erkrankung, die mit erheblicher Morbidität und auch Letalität assoziiert ist. Die Standardtherapie besteht derzeit entweder aus Vancomycin (oral) oder Metronidazol. Das Problem hierbei ist die hohe Rückfallrate. Diverse Ursachen werden für die immer häufiger beobachteten Rückfallraten diskutiert. Hierzu gehören u.a.: die Persistenz von Clostridium-difficile-Sporen im Darm, eine herabgesetzter Antikörperproduktion gegen Clostridium Toxin und letztlich die Veränderung der Zusammensetzung einer „normalen“ Stuhlflora. In den letzten Monaten kam daher das Konzept auf, die Stuhlflora durch „Transplantation“ (sprich Übertragung) von Stuhlflüssigkeit gesunder Probanden bei Erkrankten mit chronisch rezidivierender C.-difficile- Diarrhoen wiederherzustellen.

 

Studie

in einer prospektiven randomisierten Studie aus Holland wurden 3 Therapiearme verglichen: 1. Vancomycin als Standardtherapie (4 mal täglich 500 mg oral über 14 Tage) mit 2. Vancomycin oral  gefolgt von einer Darmspülung und anschließender Infusion von „Spenderstuhl“ über eine Duodenalsonde und 3. Vancomycin oral gefolgt von einer alleinigen Darmspülung. Der primäre Endpunkt war das Sistieren der Diarrhöen durch C. difficile ohne Rückfall nach 10 Wochen.

Die Studie wurde vorzeitig nach einer Interimsanalyse beendet, weil der experimentelle Arm deutlich überlegen war. Von 16 Patienten mit „Infusionsbehandlung“ klangen die infektiösen Diarrhoen in 81 % (13 Patienten) bereits nach der 1. Infusion ab. Bei den 3 weiteren Patienten klang wie Diarrhoen zumindestens bei 2 von den 3 Patienten nach einer 2. Stuhlinfusion von einem anderen Spender ab. Unter einer Therapie mit Vancomycin allein klangen die Diarrhoen in 31 % ab (4/13) und bei den Patienten mit Vancomycin und Darmspülung in 23 % (3/13). Nach der Spenderstuhlübertragung („Transplantation“) wurde eine erhöhte Rekonstitution der Stuhlflora (ähnlich wie bei gesunden Personen) beobachtet. Die Verträglichkeit war in allen Studienarmen vergleichbar.

 

Bewertung

für die Behandlung des inzwischen in vielen Kliniken sich zum Problemkeim entwickelten Durchfallerregers, Clostridium difficile, gibt es inzwischen neben Vancomycin und Metronidazol mit Fidaxomicin eine weitere wirksame Alternative. Jetzt wird ein völlig unkonventioneller (eigentlich sehr alter) Weg beschritten, indem man versucht die physiologische Stuhlflora wiederherzustellen. Die älteren Ansätze mit der Einnahme von Probiotika haben keine überzeugenden Ergebnisse gebracht und haben sich nicht in der Behandlung etabliert. Die Infusion von Stuhl gesunder Probanden auf einen erkrankten Patienten mit chronisch rezidivierender C.-difficile-Diarrhoen über eine Duodenalsonde klingt erstmal ungewöhnlich und ist aufwändig, hat sich aber interessanterweise als sehr wirksam herausgestellt. Inzwischen wird diese Methodik in der Fachwelt intensiv diskutiert und in den USA bereits über die Einrichtung von so genannten Stuhltransplantations-Zentren diskutiert (2). Bei nicht andersweitig beherrschbarer chronisch rezidivierender C.-difficile-Diarrhoen stellt dieses Verfahren eine neue Option dar (3). Die Umsetzung in der Praxis erfordert aber einen erheblichen logistischen Aufwand.

 

 

 

Reference List

 

  (1)   van NE, Vrieze A, Nieuwdorp M, Fuentes S, Zoetendal EG, de Vos WM, et al. Duodenal Infusion of Donor Feces for Recurrent Clostridium difficile. N Engl J Med 2013 Jan 16.

  (2)   Jiang ZD, Hoang LN, Lasco TM, Garey KW, DuPont HL. Physician Attitudes Toward the Use of Fecal Transplantation for Recurrent Clostridium difficile Infection in a Metropolitan Area. Clin Infect Dis 2013 Jan 3.

  (3)   Brandt LJ. American Journal of Gastroenterology Lecture: Intestinal Microbiota and the Role of Fecal Microbiota Transplant (FMT) in Treatment of C. difficile Infection. Am J Gastroenterol 2013 Jan 15.

 

 

Login