Artikel des Monats Januar 2014

Titel der Publikation:

Behandlung mit Fluconazol während der Schwangerschaft und das Risiko für das Auftreten von Geburtsfehlern.

 

Use of Oral Fluconazole during Pregnancy and the Risk of Birth Defects

Ditte Mølgaard-Nielsen, M.Sc., Björn Pasternak, M.D., Ph.D.,

and Anders Hviid, Dr.Med.Sci. NEJM (2013). (1)

 

Hintergrund

aus Fallberichten ist bekannt, dass eine hochdosierte Langzeitbehandlung mit Fluconazol für schwere Mykosen während der Schwangerschaft mit Geburtsfehlern bei den neugeborenen Kindern assoziiert sein kann. Die Häufigkeit dieser teratogenen Nebenwirkung, insbesondere bei Einsatz geringerer Dosen, ist bislang nicht bekannt.

 

 

Methode

in einem großen Register mit einer Kohorte von Neugeborenen in Dänemark, die zwischen 1996 und 2011 geboren wurden, wurde der Zusammenhang zwischen der Behandlung mit Fluconazol (oral) und dem Risiko für das Auftreten von Geburtsfehlern insgesamt, so wie dem Auftreten von Geburtsfehlern in direktem Zusammenhang mit einer Azoltherapie ausgewertet.

 

Ergebnisse

in dieser Kohorte hat die Mehrzahl der schwangeren Frauen eine therapeutische Dosis von entweder 150 mg Fluconazol (56 % der Schwangerschaft) oder 300 mg Fluconazol (31 % der Schwangerschaften) erhalten.

Insgesamt war die Exposition gegenüber Fluconazol nicht mit einem erhöhten Risiko für angeborene Geburtsfehler assoziiert. Es traten insgesamt 210 angeborene Geburtsfehler im Rahmen von 7152 Schwangerschaften auf (Prävalenz 2,86 %), während 25.159 Geburtsfehler bei 968.236 Schwangerschaften (ohne Fluconazolexposition) beobachtet wurden (Prävalenz 2,6 %). Allerdings wurde ein signifikanter Zusammenhang zwischen dem Risiko für das Auftreten einer Fallot´schen Tetralogie (bei 7 Kindern) und der Einnahme von Fluconazol berechnet (Prävalenz 0,10 % im Gegensatz zu 0,03 % bei schwangeren Frauen ohne Fluconazol Einnahme).

 

Schlussfolgerung der Autoren

die Einnahme von Fluconazol (oral) war nicht statistisch signifikant mit einem erhöhten Risiko für angeborene Geburtsdefekte in dieser großen dänischen Kohorte assoziiert. Allerdings wurde ein Zusammenhang zwischen der Fluconazolbehandlung während der Schwangerschaft und einem vermehrten Auftreten einer Fallot´schen Tetralogie beobachtet.

 

Bewertung

Diese sehr umfangreiche Studie bestätigt eine ebenfalls aus Dänemark stammende kleinere Vorläuferstudie (2). Das Auftreten einer Fallot´schen Tetralogie bei Neugeborenen, deren Mütter während der Schwangerschaft Fluconazol eingenommen haben (z.B. vaginale Candidose), ist zum Glück selten, stellt aber eine ernsthafte Nebenwirkung dar. Bei einer Behandlung mit Fluconazol im 1. Trimenon muss sehr streng der mögliche Nutzen gegen die potentiellen Nebenwirkungen einer Therapie abgewogen werden.

 

 

Reference List

 

  (1)   Molgaard-Nielsen D, Pasternak B, Hviid A. Use of oral fluconazole during pregnancy and the risk of birth defects. N Engl J Med 2013 Aug 29;369(9):830-9.

  (2)   Norgaard M, Pedersen L, Gislum M, Erichsen R, Sogaard KK, Schonheyder HC, et al. Maternal use of fluconazole and risk of congenital malformations: a Danish population-based cohort study. J Antimicrob Chemother 2008 Jul;62(1):172-6.