Artikel des Monats Oktober 2013

 

Titel der Publikation:

Die Auswirkung einer täglichen Ganzkörper Waschung mit Chlorhexidin auf das Auftreten von nosokomialen Infektionen und Vermeidung multiresistenter Erreger (MDRO)

 

Effect of Daily Chlorhexidine Bathing on Hospital-Acquired Infection

Climo et al. NEJM (2013).(1)

 

Hintergrund

multiresistente Erreger (MDRO)sind inzwischen im Krankenhaus als Auslöser von nosokomialen, lebensbedrohlichen Infektionen auf dem Vormarsch. Für die Infektionsprävention und -kontrolle gibt es diverse Konzepte. Hier steht insbesondere die regelmäßige Händedesinfektion des Personals an erster Stelle. Es gibt die ersten Hinweise, dass eine regelmäßige Ganzkörperwaschung von stark immunkompromittierten Patienten mit der desinfizierenden Substanz Chlorhexidin zu einer Verringerung des Auftretens von Infektionen mit multiresistenten Erregern führen kann.

 

Methode

in einer groß angelegten multizentrischen, nicht verblindeten („crossover“) Studie wurde der Effekt einer täglichen Ganzkörperwaschung unter Verwendung von mit chlorhexidin-getränkten Waschlappen auf das Auftreten von MDRO untersucht. An dieser Studie beteiligten sich 9 Intensivstationen und eine Knochenmarkstransplantationseinheit (KMT) von 6 Krankenhäusern in den USA. In einem Zeitraum von 6 Monaten wurden alle neu aufgenommenen Patienten entweder in den Arm A: Ganzkörper Waschung mit 2-% Chlorhexidin Lösung oder Arm B: einfache Körperwaschung randomisiert.

 

Ergebnisse

insgesamt wurden 7727 Patienten in die Studie aufgenommen. Die Gesamtrate an Infektionen mit MDRO war bei den Patienten mit Chlorhexidin-Waschung signifikant niedriger (5,1 Fälle pro 1000 Patiententage vs. 6,6 Fälle pro 1000 Patiententage; p=003). Ebenso war die Gesamtanzahl an nosokomialen Sepsisfällen („bloodstream infections“) mit 4,78 Fällen pro 1000 Patiententage mit Chlorhexidin-Waschung gegenüber 6,6 Fällen pro 1000 Patiententage bei normaler Körper Waschung signifikant geringer (p=0007). Insbesondere bei Patienten auf der KMT-Einheit war der Effekt besonders stark.

 

Schlussfolgerung der Autoren

die tägliche Ganzkörper Waschung mit einer 2%-igen Chlorhexidin Lösung reduziert sowohl die Rate an nosokomialen Infektionen als auch senkt das Risiko an einer Infektion mit MDRO zu erkranken.

 

Bewertung

in dieser Arbeit wurde sehr überzeugend gezeigt, dass in Kliniken mit hohen Raten an nosokomialen Infektionen bzw. multiresistenten Erregern bei stark immunsupprimierten Patienten eine relativ einfache Maßnahme eine äußerst wirksame Infektionsprävention darstellen kann.

 

Reference List

 

  (1)   Climo MW, Yokoe DS, Warren DK, Perl TM, Bolon M, Herwaldt LA, et al. Effect of daily chlorhexidine bathing on hospital-acquired infection. N Engl J Med 2013 Feb 7;368(6):533-42.

 

 

Artikel des Monats Oktober 2011

 

THE LANCENT

 

Supplementary webappendix
This webappendix formed part of the original submission and has been peer reviewed. We post it as supplied by the authors. This online publication has been corrected. The corrected version first appeared at thelancet.com on June 10, 2011.Supplement to: Budde K, Becker T, Arns W, et al, on behalf of the ZEUS Study Investigators. Everolimus-based, calcineurin-inhibitor-free regimen in recipients of de-novo kidney transplants: an open-label, randomised, controlled trial. Lancet 2011; published online Feb 21, 2011. DOI:10.1016/S0140-6736(10)62318-5.
Supplementary Table 1. Reasons for discontinuations before and after randomisation

 

  Before randomisation After randomisation
 

Patients included
N=503

Ciclosporin (N=145)

Everolimus
(N=155)

Total Reason

203

28

37

Withdrew consent

51

3

9

Number of patients with adverse event*

43

3

10

Increased creatinine

14

1

Gastrointestinal disorders
Aphtae/Lip ulcer

8

1

4

2

Ciclosporin/drug toxicity
Hirsutism

7

3

Malignancy

3

1

1

Thrombotic
microangiopathy

2

Surgical and wound
complication

4

Renal and urinary disorders

7

1

Others

6

1

6

Rejection/unsatisfactory
therapeutic effect

37

5

6

Infection

18

5

5

CMV

7

1

BKV

4

1

Pneumonia

2

2

1

Herpes

2

1

Others

3

4

Graft loss

17

Protocol violation

15

2

4

Abnormal
laboratory value

10

3

Administrative problem

6

1

Lost to follow-up

3

8

Death

3

1

 

*Some patients experienced more than one adverse event

 

Supplementary Figure 1. Kaplan–Meier survival distribution function on the time to drop-out before randomisation at Month 4·5 for the non-randomised patient population.


Artikel des Monats November 2011

„Long-Term Persistence of Hormonal Adaptations to Weight Loss” [1]

 

 

Hintergrund:

Weltweit sind 1,5 Milliarden Menschen übergewichtig, davon 400 Millionen adipös. Fast immer folgt einer kalorienreduzierten Phase mit Gewichstabnahme ein Versagen dieses Gewicht zu halten und eine erneute Gewichtszunahme.

Das Körpergewicht wird zentral über zahlreiche hormonelle Regelkreise reguliert, wobei Hormone auch aus dem Gastrointestinaltrakt sezerniert werden und im Hypothalamus Nahrungsaufnahme und Energieverbrauch regulieren. Dabei sind Leptin, Ghrelin, Peptid YY, gastric inhibitory polypeptide (GIP), glucagon-like peptide 1 (GLP-1), pankreatisches Polypetid, und Cholecystokinin die bisher Bekanntesten. Durch Kalorienreduktion und Diät lassen sich diese Hormone beeinflußen. Jedoch ist bisher nicht bekannt, wie sich diese Hormone nach einer längeren Zeit nach Gewichtsabnahme verhalten.

 

Studie:

Die vorliegende Studie untersuchte 50 übergewichtige oder adipöse Patienten ohne Diabetes mellitus, die an einer 10-wöchigen Diät teilnahmen. Zum Ausgangspunkt, nach 10 Wochen Diät und nach 62 Wochen wurden die Patienten untersucht, gaben den individuellen Appetit an und verschiedene Hormone wie Leptin, Ghrelin, Peptid YY, GIP, GLP-1, Amylin, pankreatisches Polypetid, Cholecystokinin und Insulin wurden gemessen.

Der mittlere Gewichtsverlust betrug 13,5kg und führte zu einer Verminderung der Blutkonzentrationen von Leptin, Peptid YY, Cholecystokinin, Insulin und Amylin, und zu einer Erhöhung des Appetits und der Blutkonzentrationen von Ghrelin, GIP und pankreatischem Polypetid.

Auch nach einem Jahr bestanden diese Unterschiede in den Hormonkonzentrationen und in der Appetitsteigerung weiterhin.

 

Bewertung:

Diese Studie zeigt, daß auch ein Jahr nach einem Gewichtsverlust weiterhin die Hormone, die den Appetit regulieren, erhöht sind und nicht auf das Ausgangsniveau vor Gewichtsverlust zurückgehen. Wahrscheinlich müssen diese Gegenregulationen angegangen werden, um bei einer gewichtsreduzierenden Therapie eine erneute Gewichtszunahme zu verhindern.

 

 

 

[1] Sumithran et al. N Engl J Med 365:17, Oct 27, 2011

 

Artikel des Monats November 2013

Titel der Publikation:

ANTIBIOTIC RESISTANCE THREATS in the United States, 2013

 

Vom: U.S.Centers for Disease Control and Prevention, Atlanta USA

 

Zusammenfassung

das US-amerikanische “Center for Disease Control and Prevention” (vergleichbar mit dem Robert-Koch-Institut in Deutschland) hat eine lesenswerte Publikationen zum Thema Antibiotikaresistenz herausgegeben („Threats“ = Bedrohung). Dieser sehr lesenswerte und übersichtliche Artikel ist frei über die Homepage des CDC zum „download“ erhältlich. In mehreren Kapiteln werden zum einen die problematischen Erreger sehr anschaulich erklärt und besprochen. Zum anderen wird auf die Epidemiologie und diverse diagnostische und therapeutische Aspekte eingegangen. Das Ganze ist mit Abbildungen gut hinterlegt, so dass dies auch für Nicht-Experten leicht verständlich ist.

Die Resistenz gegen Antibiotika gilt inzwischen weltweit als eine der sehr ernsten Herausforderungen für viele Gesundheitsbehörden, Krankenhäuser und Menschen, welche Antibiotika benötigen. Viele Erreger, insbesondere Bakterien, schaffen es auch zum Teil sehr unterschiedlichen wegen Resistenzen zu entwickeln. Die Zunahme an multiresistenten Erregern wird weltweit mit großer Sorge beobachtet. Das ganze unter dem Hintergrund, dass im Bereich von Forschung und Entwicklung der großen Pharmafirmen kaum noch im Bereich Antibiotikaforschung investiert wird und die Zulassung von neuen, potenteren Antibiotika derzeit nicht in Sicht ist. Diese Resistenzentwicklung stellt eine große Gefahr für viele Abwehrgeschwächte Patienten da, unter anderem Patienten mit Krebserkrankungen, Stamm Zell-und/oder Organtransplantation, dialyseabhängige Patienten, sowie viele Patienten auf internistischen und chirurgischen Intensivstationen.

Das CDC schätzt, dass in den USA pro Jahr ca. 2 Millionen Menschen an antibiotikaresistenten Infektion erkranken und hiervon mindestens 23.000 Personen versterben. Es handelt sich hier um geschätzte Daten, aber auch in Deutschland Gussmann inzwischen von einer vergleichbaren Situation ausgehen.

 

Die Erreger wurden nach ihrem Bedrohungsgrad eingeteilt in:

 

  1. vordringliche Bedrohung (höchste Stufe)

-       Clostridium difficile

-       Carbapenem-resistant Enterobacteriaceae (CRE)

-       Drug-resistant Neisseria gonorrhoeae

 

  1. ernsthafte Bedrohung

-       Multidrug-resistant Acinetobacter 

-       Drug-resistant Campylobacter

-       Fluconazole-resistant Candida (a fungus)

-       Extended spectrum β-lactamase producing Enterobacteriaceae (ESBLs)

-       Vancomycin-resistant Enterococcus (VRE)

-       Multidrug-resistant Pseudomonas aeruginosa

-       Drug-resistant Non-typhoidal Salmonella

-       Drug-resistant Salmonella Typhi

-       Drug-resistant Shigella

-       Methicillin-resistant Staphylococcus aureus (MRSA)

-       Drug-resistant Streptococcus pneumoniae

-       Drug-resistant tuberculosis

 

  1. besorgniserregende Bedrohung

-       Vancomycin-resistant Staphylococcus aureus (VRSA)

-       Erythromycin-resistant Group A Streptococcus

-       Clindamycin-resistant Group B Streptococcus

 

Fazit: oberste Gesundheitsbehörden haben der Bedrohung durch multiresistente Erreger und dem damit verbundenen Mangel an wirksamer Behandlung eine sehr hohe Priorität zugeschrieben und versuchen durch Öffentlichkeitskampagnen auf dieses globale Problem hinzuweisen.

 

Referenz: http://www.cdc.gov/drugresistance/threat-report-2013/

 

 

Artikel des Monats März 2013

 

Zusammenhang zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem auftreten von Krebs (1)

 

 

Hintergrund :

In den USA wurde von der „American Heart Association (AHA)“ ein Konzept zur Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen entwickelt. Hier stehen 7 Kernkriterien (s. unten) im Vordergrund, welche bei entsprechender Einhaltung, das Risiko an der Erkrankung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich mindern. Jetzt wurde in einer groß angelegten Studie über einen Zeitraum von bis zu 19 Jahren zusätzlich der Zusammenhang mit Krebserkrankungen untersucht („Atherosclerosis Risk In Communities [ARIC] study“).

 

Studie

Die Analyse dieser sogen. ARIC- Studie umfasste 13.253 Personen in den USA. Aus Daten von lokalen Tumorregister und Krankenhausinformationssystemen wurden in dieser Kohorte 2880 Krebserkrankungen identifiziert. (Zeitraum 1987-2006; Alter 45-64 Jahre; 7223 Frauen und 6030 Männer). Mit einer Regressionsanalyse wurde das Risiko für eine Krebsentwicklung kalkuliert. Die Krebserkrankungen verteilten sich im Wesentlichen auf  Bronchialkarzinome (418), kolorektale Karzinome (322), Prostatakarzinome (613)  und Mammakarzinome (526).

Von den Personen, bei denen zu Beginn der Erhebung keine Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorlagen, waren 71,5 % Nichtraucher, hatten 33,2 % einen idealen BMI-Wert, hatten 36,9 % einen normalen Cholesterinspiegel, hielten sich 5,3 % an eine gesunde Ernährung, trieben 37,9 % regelmäßig Sport, hatten einen 50,8 % normalen Blutzuckerspiegel und bei 41,6 % bestand ein normaler Blutdruck.

Es gab einen signifikanten Trend im Sinne einer direkten Assoziation zwischen der Anzahl von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Auftreten von Krebserkrankungen (Krebsinzidenz). Wenn mindestens 6 der 7 Gesundheitsparameter erfüllt waren, bestand ein um 51 % niedriges Risiko für das Auftreten von Krebserkrankungen.

 

Bewertung

Die sieben Präventionsempfehlungen der American Heart Association, „Life's Simple 7“ genannt, sind nicht nur in der Vorsorge von Herz-Kreislauferkrankungen sinnvoll, sondern nützen auch gegen Krebs.

Dies sind Life's Simple 7:

  1. Körperlich aktiv sein
  2. ein gesundes Gewicht halten
  3. gesund essen
  4. einen gesunden Cholesterinspiegel halten
  5. Blutdruck niedrig halten
  6. normalen Blutzucker halten
  7. nicht rauchen.

 

Reference List

 

  (1)   Rasmussen-Torvik LJ, Shay CM, Abramson JG, Friedrich CA, Nettleton JA, Prizment AE et al. Ideal cardiovascular health is inversely associated with incident cancer: the atherosclerosis risk in communities study. Circulation 2013; 127(12):1270-1275.

 

 

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